Pflege: Große Herausforderung unserer Gesellschaft

Nicole Westig: Dreh- und Angelpunkt ist das Leben vor Ort

„1990 waren 2600 Menschen 100 Jahre alt, heute gibt es über 17.000 Hundertjährige; der Lebensabend dauert mittlerweile 20 – 40 Jahre.“ Mit diesem Szenario konfrontierte Nicole Westig, MdB, Pflegepolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, ihre Swisttaler Zuhörer beim 8. Liberalen Dialog. Insgesamt seien die Menschen zwar länger gesund – aber dennoch dauere auch die Phase der Pflegebedürftigkeit länger.

Dabei stünden immer weniger jüngere sowohl als Beitragszahlerinnen und –zahler als auch als Pflegende immer mehr älteren gegenüber: „Das ist eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft!“:  Es fehlen mittelfristig 100 000. Pflegekräfte,

Die Politik habe das erkannt und stecke viel Mühe und Ideen in die Lösung:

Dazu gehöre neben der Gewinnung von mehr Pflegekräften, mehr Aus- und Weiterbildung  und einem Gesetzesentwurf für bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Pflege auch die  Schaffung von 13.000 neuen Stellen, „aber niemand weiß, wie diese besetzt werden sollen“, so Westig. Die „Konzertierte Aktion Pflege“ der Minister Spahn, Gifhey und Heil sei ein richtiger Schritt, aber „Bei den Auszubildenden liegt der Schlüssel, um dem Pflegeberuf ein besseres Image zu geben, um mehr Menschen für die Pflege zu begeistern“. Die FDP fordert, dass Ausbildung in einem Mangelberuf vom Staat bezahlt wird!

„Wer angemessene Löhne zahlen soll, dem muss erlaubt sein, Gewinne zu erzielen. Und da ist es kontraproduktiv, wenn der Gesundheitsminister die Gewinne der privaten Betreiber begrenzen will“, schüttelt Westig den Kopf:  Immerhin sei man sich einig, dass die Anbietervielfalt aus gemeinnützigen, kommunalen und privaten Pflegeanbietern im Interesse der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen liege.

Aber es gehe den Pflegenden nicht nur um gute Bezahlung. In gleichem Maße wünschen sie sich bessere Arbeitsbedingungen, weiß Westig aus zahlreichen Gesprächen. „Gesundheitsminister Jens Spahn fehlt das Gesamtkonzept.“ Künftig müssten ja auch die Familien nicht nur Arbeit und Familie, sondern auch die Pflege unter einen Hut bringen.

In der lebhaften Diskussion zeigten die Teilnehmer viele eigene Erfahrungen als Pflegende Familienangehörige. Westig bestätigte: Momentan werden 70% der Pflegebedürftigen zuhause gepflegt, und hier fehle es an Unterstützung wie Tages- und Kurzzeitpflege. Die Angehörigen seien oft überfordert, und man müsse aufpassen, dass die Pflegetätigkeit nicht direkt in die eigene Pflegebedürftigkeit übergeht! „Der Dreh- und Angelpunkt ist das Leben vor Ort“, sagte Westig und schlug vor: Die Kommunalpolitik könne durch geeignete Quartiersentwicklung, Mehrgenerationenwohnen, Pflege- und Demenz-WGs oder Betreutes Wohnen helfen; Netzwerke von Vereinen und Ehrenamtler kooperieren bereits mit dem Ziel, möglichst lange zuhause alt werden zu können. Die FDP fordere daher z.B Steuerliche Anreize für Verantwortungsgemeinschaften. Auch die Pflegekräfte aus dem Ausland wurden thematisiert: Sind da unsere Standards zu hoch, oder weshalb fällt die Anwerbung so schwer?

Die FDP will die Pflegefinanzierung künftig auf drei Säulen aufbauen:  Staatliche und eigene Vorsorge durch private, kapitalgedeckte Versicherung für die, die es können UND eine betriebliche Pflegeversicherung; “Und der Staat sichert die Schwachen ab.“

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