Stellungnahme zum Flugblatt von „Wir für Swisttal“ vom 17. Mai 2014

Sehr geehrter Herr Tilgner,

ich habe das letzte Flugblatt der Bürgerinitiative erhalten und kann das nicht unkommentiert lassen.

Wie Sie wissen, bin ich der Bürgerinitiative beigetreten, weil ich genauso wie Sie gegen den neuen Flächennutzungsplan eintrete. Ich habe mich als Mitglied der FDP-Fraktion im Gemeinderat auch immer für eine Fortentwicklung des Buschhovener Ortskerns eingesetzt. Ich weiß nicht, wie viele Stunden wir in der FDP darauf verwendet haben, nach einer Lösung zu suchen. Wir haben auch zweimal mit entsprechenden Anträgen im Rat versucht, weiter zu kommen.

Die von Ihnen bzw. der Bürgerinitiative gemachten Ausführungen können daher so nicht stehen bleiben. Sie unterschlagen nämlich die vielfältigen und bisher ungelösten Probleme für eine Ansiedlung eines Lebensmitteldiscounters im Ortskern. (Es geht ja nicht um einen Vollsortimenter. Das ist ein Markt wie Hit oder Rewe in Rheinbach. Das sollte man begrifflich auseinander halten.)

Wir hatten Netto im Ortskern. Der vertrug sich auch mit dem Edeka  Markt. Um einen Lebensmitteldiscounter aber wirtschaftlich betreiben zu können, verlangen die Unternehmen gewisse Mindestgrößen für die Märkte. Die sind im Ortskern nicht zu realisieren, ob uns das gefällt oder nicht. Selbst wenn es dazu käme, weiß ich nicht, welche Auflagen zu erfüllen wären wie ausreichende Parkplätze, Anfahrmöglichkeiten für große LKWs (mitten in der Nacht!) usw. Ob das die Anwohner akzeptieren würden?

Da wir aber für Buschhoven und Morenhoven eine Nahversorgung brauchen, gibt es keine vernünftige Alternative zu einer Ansiedlung in Buschhoven Süd. Bisher kaufen die Leute in Rheinbach, Odendorf, Euskirchen oder Bonn ein, weil ihnen das kostengünstige Angebot in Buschhoven fehlt. Und genau das war zu ändern und ich bin sicher, die meisten Bürgerinnen und Bürger des Ortes wollen das auch. Denn es macht keinen Sinn, für den Ortskern unrealistische Forderungen aufzustellen und damit die Nahversorgung letztlich zu verhindern. Edeka Berg allein ist leider keine Option.

Der Appell an die Verantwortung der Eigentümer der Immobilien in der Ortsmitte ist nicht neu. Den haben wir als FDP auch schon gemacht und wir haben auch aufgerufen, in Buschhoven zu kaufen, damit die Geschäfte eine Chance haben. Da aber in Deutschland und leider auch bei den gut betuchten Bewohnern unseres Ortes „Geiz geil ist“, kauft man lieber außerhalb ein. Die gleichen Menschen, die sich gegen Massentierhaltung oder sonstige Massenprodukte wenden, wollen genau diese Produkte kaufen, weil ihnen die örtlichen Anbieter mit lokalen Produkten zu teuer sind. Daher scheitert leider der löbliche Versuch der kleinen Anbieter (Mauel) im ehemaligen Nettomarkt.

Lieber Herr Tilgner,

ich werde den Eindruck nicht los, dass Sie und andere des Vorstands sich klammheimlich auf die Seite der BfS geschlagen haben, die – wie Herr Gentz – mit unwahren und polemischen Aussagen Wahlkampf macht. Bisher habe ich an die parteipolitische Neutralität der Bürgerinitiative geglaubt. Sollte das nicht mehr so sein, müsste ich sofort meinen Austritt erklären.

Schöne Grüße
Karl-Heinz Lamberty

 


 

 
Sehr geehrter Herr Lamberty,

zunächst vielen Dank, dass Sie sich mit dem Flyer des Bürgervereins auseinandergesetzt haben. Wir haben uns im Kreise des Vorstands im Bürgerverein intensiv mit der Thematik beschäftigt und begrüßen es, wenn man sich – auch kritisch – mit der Thematik befasst.

Es ist uns sicher bewusst, dass die Planung und Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Interessen von Eigentümern in einem Bestandsgebiet wie dem Ortskern deutlich schwieriger ist, als auf der grünen Wieses zu planen. Dass Sie und andere Lokalpolitiker sich dabei um eine Lösung im Ortskern gekümmert haben sei unbenommen. Wir haben in unserem Flyer auch nichts gegenteiliges behauptet und dies auch nicht bewusst verschwiegen.

Unabhängig davon erschwert aber eine Ansiedlung vom Netto-Markt am Ortsrand aufgrund des Abzugs von Kaufkraft eine weitere Entwicklung im Ortskern. Gerade zu einer Zeit, in der durch den Eigentümerwechsel vom Edeka-Markt erste Hindernisse aus dem Weg geräumt wurden, verschlechtern sich nun durch die geplante Ansiedlung des Netto-Marktes die Chancen einen Supermarkt mit einem Sortiment für den täglichen Bedarf im Ortskern anzusiedeln. Dass ein solcher Markt eine Magnetfunktion auch für andere Geschäfte hat, bedarf keiner weiteren Erklärung. Nicht ohne Grund stehen auch die Kaufleute im Toniusplatz der aktuellen Entwicklung skeptisch gegenüber.

Beim Einkauf geht es auch nicht immer nur um den günstigsten Preis, sondern auch um die Vielfalt und Qualität des Warenangebotes. Appelle und Vorwürfe wie „Geiz-ist-Geil“ werden hier nicht weiterhelfen. Letztlich werden die Konsumenten entscheiden wo sie einkaufen.

Weder der Mauel-Markt noch ein Netto-Markt auf der grünen Wiese werden jedoch zukünftig in den Kategorien Vielfalt und Qualität mit den Zentren in Duisdorf/Hardtberg und Rheinbach mithalten können.

Lieber Herr Lamberty,

der Bürgerverein ist und bleibt parteipolitisch unabhängig – das sieht nicht nur unsere Satzung vor, sondern ist auch Überzeugung aller Vorstandsmitglieder.

Ihnen ist bekannt, dass wir im Vorstand auch Mitglieder aus den Parteien CDU, FDP und SPD haben. Bislang konnte ich hier keinen Interessenskonflikt feststellen. In Bezug auf die Wählervereinigung Bürger für Swisttal, ist mir bekannt, dass von verschiedenen Seiten behauptet wird, dass auch ich persönlich „mit dabei sei“. Weder ich, noch andere Mitglieder des Vorstands sind bei den BfS Mitglied (auch nicht klammheimlich!). Selbst wenn es so wäre, würde ich dies als unproblematisch empfinden. Bislang hat sich auch niemand daran gestört, dass Mitglieder des Vorstands einer politischen Partei angehören und dort auch Funktionen ausüben. Warum ist dies gerade in Bezug auf die BfS so, obwohl keiner von uns dort Mitglied ist?

Dass bei der BfS einige Parallelen bei Aussagen in Bezug auf den Ortskern in Buschhoven zu finden sind, freut uns. Dies mag auch daran liegen, dass die BfS uns zu einem Gespräch zu diesem Punkt eingeladen hat, in dem wir unseren Standpunkt erläutert haben. Gesprächen zu inhaltlichen Themen mit Parteien und Wählervereinigungen folgen wir immer gerne und möchten auch mit Ihnen den konstruktiven Dialog weiter pflegen.

Ich denke es gebietet die Fairness, dass Sie auch diese Antwort auf Ihr Schreiben auf der Internetseite der FDP veröffentlichen.

Viele Grüße
Markus Tilgner

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