Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für das Handwerk

21. September 2016

fotoIm Rahmen der Liberalen Woche der Freien Demokraten im Rhein-Sieg-Kreis diskutierten am Montag unter der Leitung des Ortsverbandsvorsitzenden Dr. Bernhard Heitzer drei Experten über die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für das Handwerk. Es war eine gemeinsame Veranstaltung der linksrheinischen FDP-Ortsverbände im Campus II der Alanus Hochschule.

Prof. Andreas Pinkwart, Rektor der Handelshochschule Leipzig, Graduate School of Management führte in das Thema ein. Das Thema der Veranstaltung sei zwar mit „Handwerk 4.0“ überschrieben, es werde aber noch nicht so häufig diskutiert. Digitale Technik habe jedoch in den Bereichen, die vom Handwerk angeboten und betreut werden, eine zunehmende Bedeutung, so zum Beispiel wenn es darum gehe Gebäude umweltfreundlicher und sicherer zu machen oder die Angebote vom Smart Home zu nutzen. Die moderne Technik fordere die Nutzer, aber auch das Handwerk. Die digitale Technik stelle das Handwerk vor neuen Herausforderungen, eröffne aber auch neue Chancen durch neue technische Unterstützungsmöglichkeiten und durch Intensivierung der Kundenansprache und –betreuung. Moderne Technik mache handwerkliche Berufe auch interessanter für junge Leute.
Peter Panzer, Stv. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln machte deutlich, dass das Handwerk durch sehr unterschiedliche Tätigkeitsfelder mit ihren spezifischen Anforderungen geprägt sei. Es umfasse rd. 150 Berufe. Die digitale Technik werde in zunehmenden Maße genutzt. Bereits ein Viertel der Betriebe setzten Smartphones und Tablets für die Überwachung technischer Anlagen ein. Auch für die berufliche Weiterbildung des Handwerks werde die digitale Technik durch das Angebot von Online-Vorlesungen genutzt. Die Rahmenlehrpläne für die handwerkliche Ausbildung würden an die neuen Herausforderungen angepasst. Dies sei aber ein Prozess der Zeit brauche. Auch für das Handwerk sie der Ausbau der Breitbandnetze sehr dringlich und es fehle die elektronische Signatur, damit der Umfang des herkömmlichen Schriftverkehrs noch stärker reduziert werden könne.

Thomas Rademacher, Kreishandwerksmeister aus Meckenheim, wies darauf hin, dass durch die digitale Technik das Handwerk zwar Teil einer neuen Wertschöpfungskette werde, die Digitalisierung sei aber nicht der absolute Heilsbringer. Auch für das Handwerk sei die digitale Sicherheit ein wichtiges Thema. Auch in der Kommunikation zwischen den Handwerken und den Kunden könne nicht alles elektronisch erledigt werden. Auch der menschliche Kontakt sei wichtig. Notwendig sei eine gute Mischung zwischen beidem.

In der anschließenden Diskussion wurde von Prof. Pinkwart dargelegt, dass berufliche und akademische Ausbildung zwei gleichberechtigte Säulen seien. Das eine dürfe nicht gegen das andere ausgespielt werden. Es sei inzwischen in großer Fortschritt, dass der erfolgreiche Abschluss der Meisterprüfung auch den allgemeinen Zugang zur Hochschule eröffne. Peter Panzer wies auf das Angebot „Berufsabitur“ hin, das parallel zur Schule eine berufliche Ausbildung umfasse und mit der Gesellenprüfung das Abitur einschließe.

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