FDP: Bildung ist mehr als Schule

20. September 2016

vlnrjuergenpeterandreaspinkwartingridrumlandruthhartmannhelmutkleinSiegburg – Zum Auftakt der Liberalen Woche der Freien Demokraten im Rhein-Sieg-Kreis diskutierten am Samstag in Siegburg unter der Leitung des Kreisvorsitzenden Jürgen Peter drei liberale Fachleute über die Zukunft der Bildungspolitik. Organisiert hatte die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde der Siegburger FDP-Ortsverband um die Vorsitzende Ingrid Rumland.

Ruth Hartmann, Sozialpädagogin und Leiterin des Jugendamtes in Pulheim wies darauf hin, dass Bildung durch Zusammenwirken von Eltern und Schule stattfinde. Und das beginne mit der Geburt des Kindes. Das werde in der aktuellen Politik übersehen und brauche einen neuen Ansatz. Am Beispiel der Bedürfnispyramide von Maslow wies sie nach, dass in Familien mit Bindungsarmut Bildungsarmut generiert würde. „Wir haben in Deutschland ein ausgeprägtes Elternrecht, das wir nicht beschneiden wollen, es gibt aber auch eine Elternverantwortung, die deutlich gestärkt werden muss. Wir müssen fähig werden, die Kompetenz der Eltern zur Erziehung anzuheben. Das schafft man nicht allein durch immer mehr staatliche Betreuung der Kinder.“

Helmut E. Klein, Senior Researcher beim Insitut der Deutschen Wirtschaft in Köln konzentrierte sich in seinem Impulsvortrag auf die Situation in der Schule. Er knüpfte an Ruth Hartmann an und verwies auf den für den Schulerfolg durchschlagenden Familienfaktor hin. Anhand der Ergebnisse von Studien zeigte er auf, dass in Klasse 8 der Hauptschulen 70 % der Schüler im Fach Deutsch nicht die Regelstandards erreichen. Ausgeprägter sei das noch in den MINT-Fächern. Er forderte mehr Ergebnisverantwortung in den Schulen durch eine bessere Ausstattung mit Lehrern und Handlungsfreiheit, zum Beispiel durch Verantwortung für die Personalbewirtschaftung. „Ein Schlüssel zum Erfolg ist Lernfortschrittskontrolle und die Unterrichtsqualität, weit mehr als wie fälschlicherweise vermutet, die Klassengröße, Team Teaching oder der offene Unterricht. Dafür brauchen die Schulen mehr Autonomie und ein professionelles Lehrerangebot.“

Prof. Andreas Pinkwart, Rektor der Handelshochschule Leipzig, Graduate School of Management kritisierte die Lehrerausbildung, die zu einem Nebengleis der Wissenschaftlerausbildung geworden sei. Viele Studenten mit Problemen bei der Stoffbewältigung würden aus dem Studium zum Wissenschaftler aussteigen und sich für eine Lehrerkarriere ohne pädagogische Ausbildung entscheiden. Die öffentliche Klage über die mangelnde Qualität der Lehrer führe dann dazu, dass die Schüler ihren Respekt vor den Lehrern verlören, was sicherlich Auswirkungen auf den Lernerfolg habe. „Beim Übergang von der Schule zu den Hochschulen, der immerhin bei 50 % eines Jahrganges liegt, benötigen wir mehr Differenzierung in den qualitativen Anforderungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Durchlässigkeit des Systems. Wir wollen keine Gleichmacherei auf niedrigem Niveau, sondern Leistungsdifferenzierung wie z.B beim Sport oder der weiterführenden Musikausbildung schon immer üblich. Im Sport spielt man ja auch je nach Leistung in der Kreisliga oder in der Bundesliga und niemand regt sich darüber auf.“

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